Björn Schwentker

Porträt Björn Schwentker: Wer die Daten kontrolliert, hat die Macht. Wir brauchen einen Journalismus, der diese Macht demokratisiert.

Was ich tue

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    Data Driven Journalism

    Ich erzähle Geschichten aus und über Daten – als Visualisierung, Text oder Ton. Ent­schei­dend ist für mich die Recherche: Daten finden (oder erstreiten) und einord­nen, ihre Aus­sage­kraft und Quellen hin­ter­fra­gen. Dazu kommt das technische Handwerk: PDFs und andere Formate aufknacken, den Daten­wust durch­for­sten, sortieren, Geo-­Infor­ma­tio­nen verarbeiten und immer wieder: auf Charts und Karten sichtbar machen. Große Daten­sätze zähme ich mit der Statistik-Soft­ware R. Zu kompliziert gibt es nicht. Für sehr an­spruchs­vol­le Ana­ly­sen kooperiere ich mit der Wissen­schaft.

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    Demografie

    Der demografische Wandel ist kein Problem. Trotzdem weisen wir ihm die Schuld an vielen realen Missständen zu. Das habe ich in einigen Jahren wissen­schafts­jour­na­lis­tischer Arbeit zur Demografie gelernt: Egal ob Ge­bur­tenverhalten, Alterung oder Wan­de­rung – vieles stellt sich bei genauerem Hin­se­hen an­ders (und oft interessanter) dar, als wir den­ken. Als Autor, in Vorträgen und Dis­kus­si­onen erkläre ich, was hinter dem de­mo­gra­fi­schen Wandel steckt, wie man Be­völ­ke­rungs­daten richtig versteht, und wie die Forschung den Wandel interpretiert.

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    Wissen Teilen

    Guter (Daten-)Journalismus entsteht aus solidem handwerklichen Können und Wissen um Zusammenhänge. Auf Panels, in Vor­trä­gen und Seminaren diskutiere ich, was mich bewegt: Qualität im Datenjournalismus, die Rolle offener Daten in der Demokratie oder unsere Haltung zum demografischen Wandel (und was sie mit unserem Blick auf Daten zu tun hat). Wichtig ist mir die Diskussion mit der Wissenschaft: Wo Informationen und Da­ten politisch relevant sind, wird sie ein immer wichtigerer Pla­yer.

Wer ich bin

Datenjournalist wurde ich fast zwangsläufig: Erst habe ich mich im Physikstudium in Statistik, Mathematik und Daten gegraben, um danach, als freier Wissenschaftsjournalist, gleich wieder darauf zu stoßen. Als die demografische Debatte in Deutschland hochkochte, entdeckte ich die Bevölkerungsforschung als Quelle politisch unverstellten Wissens für den Journalismus. Von den Wissenschaftlern lernte ich als Erstes: Trotz allem Gerede über den demografischen Wandel wissen wir vieles nicht, weil die Datenlage schlecht ist.

Oder die Daten werden falsch verstanden und interpretiert. Zum Teil mit politischer Absicht. Im Dezember 2011 habe ich deshalb das Demografie-Blog gegründet, zarte 38 Jahre alt, gute 52 noch vor mir. Da war ich längst praktizierender Datenjournalist, auch wenn der Begriff „Datenjournalismus“ damals erst langsam aus den USA nach Europa herüberschwappte. Das war für mich aber egal. Denn die Debatte um den demografischen Wandel war schon immer so datenbasiert, wie sie es in anderen Politikfeldern gerade erst wird (zurecht).

Journalistische Kraft bekommt Datenjournalismus vor allem, wenn man ihn mit Recherchen in der Wissenschaft verbindet. So entstand auch meine vierteilige ZEIT-Serie „Aussterben abgesagt“ zur Demografie, für die ich den ersten Peter Hans Hofschneider Recherchepreis für Wissenschafts- und Medizinjournalismus bekam.

Meine freiberufliche Arbeit war unterbrochen durch 14 Monate als leitender Redakteur des Ressorts Wissen bei ZEIT ONLINE. Danach, wieder frei, zog es mich immer weiter in den „Data Driven Journalism“ (DDJ). Dabei habe ich nie aufgehört, Wissenschaftsjournalist zu sein, auch wenn sich mein Verhältnis zur Forschung wandelt: Früher war sie für mich vor allem Quelle evidenz-basierten Wissens in oft impulsiv geführten gesellschaftlichen Diskussionen. Heute sucht Forschung selbst die Diskussion mit gutem Datenjournalismus. Gleichzeitig kann DDJ viel von den Wissenschaftlern lernen, die in ihren Datenwelten zuhause sind.

Darum bin ich nicht nur in der Recherche, sondern auch auf Panels, in Vor­trä­gen und Seminaren im Gespräch mit der Wissenschaft. Zwischenzeitlich habe ich selbst Wissenschaftsjournalismus an der Universität Göttingen gelehrt. Meine Prognose: Daten- und Wissenschaftsjournalismus werden enger zusammenrücken; zur kritischen Beobachtung wird sich konstruktive Zusammenarbeit gesellen – interessantes Neuland.

Ich war eigentlich schon immer Optimist. Das erklärt die Grundstimmung des Demografie-Blogs und meine positive Haltung zur Wissensgesellschaft. Kulturpessimismus halte ich für ein historisch widerlegtes Konzept. Wir sehen eine Welt in Entwicklung, die spannend ist und gut. Wenn ich gerade nicht arbeite oder die Zeit mit meiner Familie genieße, fotografiere ich sie.

Kontakt

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