11. Juni 2012, 13:15  1 Kommentar

Rentenalter: Ist 67 das neue 65?

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In Deutschland gibt es ja derzeit immer noch einiges Gezeter darum, ob es gerechtfertigt ist, das Rentenalter auf 67 zu erhöhen. Wie sinnlos eine solche Debatte angesichts der ständig steigenden Lebenserwartung und Gesundheit ist, habe ich ja bereits im Post Rente mit 75? beschrieben.

Theoretisch zu fordern, dass das Rentenalter mit der Lebenserwartung immer weiter steigt, ist die eine Sache. Was die Politik daraus macht (oder machen kann), ist eine ganz andere. Darum wollte ich schon immer einmal untersuchen, wann die Menschen in den Ländern dieser Welt tatsächlich in Pension gehen, und welche Änderungen geplant sind. Die OECD nimmt mir jetzt einen Teil der Arbeit ab und veröffentlicht mit seinem OECD Pensions Outlook 2012 heute eine zwar nicht schöne aber interessante Grafik zu den geplanten Rentenaltern wenigstens innerhalb der OECD-Länder:

Künftiges Rentenalter in den OECD-Ländern

Geplantes Rentenalter in der OECD: In einigen Ländern bereits über 65 Jahren
Mittelfristig geplante Rentenalter in den OECD-Ländern. Erklärung der Länderkürzel auf Wikipedia (siehe Spalte ALPHA-3)

Der Trend zum höheren Rentenalter ist deutlich. Interessant: Frankreich ist mit 62 Jahren erfasst, obwohl der neue Präsident Hollande kürzlich erst medienwirksam verkündet hat, die von seinem Amtsvorgänger Sarkosy erkämpfte Erhöhung von 60 auf 62 werde zurückgenommen. Aber das ist eine Mogelpackung. Tatsächlich bleibt es bei 60 Jahren nur für eine kleine Minderheit.

Die meisten der OECD-Länder haben inzwischen angefangen oder angekündigt, die Pensionsgrenze anzuheben. Zwar bleibt 65 in der Hälfte der Staaten (17 Stück) bisher das Regelalter. Aber 13 weitere Nationen planen, das Rentenalter für Männer auf 67 anzuheben (12 für Frauen), oder haben das bereits getan (wie Island und Norwegen). Die OECD behauptet deshalb bereits „67 ist das neue 65“.

Das bleibt abzuwarten. Vielleicht heißt das neue 65 eines Tages ja auch 70, 73 oder 75. Italien und Dänemark wollen die Pensionsgrenze jedenfalls bereits an die weiter steigende Lebensspanne koppeln. Die OECD gibt für sie zum Jahr 2050 darum bereits ein Rentenalter von 69 an. Die Briten haben ihr Tempo beim Anheben der Grenze deutlich angezogen: 2028 werden sie bei 67 liegen – zehn Jahre früher als ursprünglich geplant.

Die Altersschwellen steigen übrigens nicht jetzt erst, wie weitere Daten im OECD-Report zeigen. Das durchschnittliche Rentenalter (arithmetisches Mittel) in der OECD fiel nach dem zweiten Weltkrieg zuerst einmal für ein paar Jahrzehnte. Und zwar von 64,5 Jahren für Männer und 63 für Frauen im Jahr 1950 auf einen Tiefpunkt von 62,7 (Männer) bzw. 60,9 Jahren (Frauen) im Jahr 1993:

Durchschnittliches Rentenalter in den OECD-Ländern

Wenn die momentan Beschlusslage in den Ländern beibehalten wird, liegt das Pensionsalter 2050 im OECD-Durchschnitt bei 65,6 Jahren für Männer und 65 für Frauen. Aber bis dahin sind die Gesetze gewiss wieder geändert worden – und noch höhere Altersgrenzen die Regel.

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Wasi Juli 4, 2013 um 21:43

Schöner Artikel.
Der Anstieg des Rentenalters ist enorm. Ebenfalls konnte festgestellt werden, dass während Ende 2003 lediglich 595.433 Senioren über 65 Jahren einen Minijob hatten, für 2012 stieg der Wert auf mehr als 812.000 Personen. Rund 128.000 waren sogar älter als 74. Eine Ursache für diese Entwicklung könnte die Angst vor Altersarmut sein, denn pro Monat, den die Arbeitnehmer früher in den Ruhestand gehen, wird die Rente dauerhaft um 0,3 Prozent gekürzt. (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/durchschnittliches-rentenalter-waechst-auf-612-jahre/ )
Verständlich ist es ja, wenn man überlegt wie hoch die Rente ist. Und ich finde es nicht schlimm, wenn man noch fit ist, kann man sich so gut die Zeit vertreiben.

Gruß,
W.

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