- Björn Schwentker - http://www.demografie-blog.de -

Prognosen verbieten! (Warum der Demografische Wandel kein Problem ist – unser Gerede über ihn aber schon)

Prognosen Verboten Schild

Daten: Bevölkerungsprognose Statistisches Bundesamt (Variante G1-L1-W1) [1]

Die Leute von WDR 5 haben es geschafft. Als ich heute im Hörfunkstudio sitze, um ein Gespräch für die Sendung Politikum [2] aufzuzeichnen (Sendung 31.08.2017 um 17:45 auf WDR 5, Link zum Nachhören [3] ), ringt mir die charmante Moderatorin doch tatsächlich dieses Statement ab:

Man sollte in der Politik ganz auf Prognosen verzichten.

Nun war ich schon immer ein Kritiker blinder Prognose-Gläubigkeit [4]. Aber ganz darauf verzichten? Wie soll man da planen? Bin ich von allen guten Geistern verlassen?

Als die Aufnahme vorbei und der damit verbundene Stresspegel gesunken ist („wir machen das wie live, dann müssen wir nicht schneiden“), habe ich Zeit, ein wenig darüber nachzudenken. Ergebnis bisher: So blöd ist die Idee gar nicht. Allerdings muss man sie genauer erklären.

Sie hat viel damit zu tun, wie die demografische Debatte läuft. Sie dient als Vorwand für unbequeme politische Entscheidungen, als Entschuldigung für politische Versäumnisse und es gibt einige Mächtige, die gut von ihr profitieren. Das habe ich vor einiger Zeit bereits als Demografisierung [5] beschrieben.

Gedankenexperiment: Eine Welt ohne Prognosen

Nun bedingt meine eigene demografische Situation, dass ich jetzt hier aufspringe und meine beiden Kinder aus der Kita hole. Ganz im Sinn der Vereinbarkeitsdebatte (von Beruf und Familie) bleibt dieser Post darum hier erstmal so stehen, bis ich ihn weiterschreibe. (Aber ich wollte ihn anfangen, falls sich nach meinen Äußerungen im Radio jemand hierher verirrt. Kommen Sie bald wieder!)

Darum zunächst in aller Kürze:

Meine Prognosenschelte ist als Gedankenexperiment gemeint: „Stellen Sie sich eine politische Welt ohne Prognosen vor. Woran würde sich die Politik (plötzlich) orientieren (müssen)?“ (Das ist ein bisschen wie die bekannte Frage: „Stellen Sie sich vor, heute wäre der letzte Tag Ihres Lebens. Was würden Sie tun?“

Plötzlich würde sich die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche lenken: Wie wollen wir eigentlich leben? Was macht uns als Menschen und als Gesellschaft aus? Was wollen wir unbedingt? Was hat Priorität? Was ist weniger wichtig? Wir wären nicht mehr vom demografischen Wandel getrieben (Politik nur als Reaktion in Angststarre), sondern würden das Heft wieder selbst in die Hand nehmen.

Sprich: Wir wären gezwungen zu einer proaktiven Politik, die sich an unseren wahren Bedürfnissen ausrichtet. Inklusive der demokratischen Debatte, die nötig wäre, um diese Bedürfnisse herauszufinden.

Wie klingt das fürs Erste? Bald hier mehr dazu!