12. Januar 2012, 10:58  4 Kommentare

Demografie-Debatte live: Berliner Demografie Forum 2012

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Live-Blog vom 1. Berliner Demografie Forum (BDF) 2012 aus der European School of Management and Technology (ESMT) mitten in Berlin. Ich habe live gebloggt vom Donnerstag, 12.01.2012, 15 Uhr, bis Freitag, 13.01.2012,14:45 Uhr. Gleichzeitig habe ich getwittert unter dem Hashtag #BDF2012.

Zum Ende des Forums wird die Debatte fundiert und gehaltvoll. Die Presse ist längst weg. (Auf dem letzten Panel v.r.n.l: Ursula Staudinger (52), Psychologin und Alternsforscherin an der Jacobs University Bremen, Andreas Suchanek (50), Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik und Handelshochschule Leipzig, Sybille Laurischk (57), FDP-MdB und Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Sabine Bätzing-Lichtenthäler (36), SPD-MdB und Sprecherin der Arbeitsgruppe Demografischer Wandel der SPD-Bundestagsfraktion, Moderation: Volker Berthes (53), Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik)

14:15 Uhr: Sybille Laurischk, FDP-MdB und Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Frage, wie sehr sich Väter heute um ihre Kinder kümmern:

Wir sind leider eine vaterlose Gesellschaft. Das ist ein Stück weit ein deutsches Phänomen.

Sie stimmt Ursula Staudinger zu, dass mehr nicht immer besser sei:

Wir müssen nachdenken: Sind viele Kinder wirklich eine große Qualität in der Familie? Eine wohlhabende Gesellschaft hat ganz offenbar, egal wo auf der Welt, weniger Kinder.
 

13:50 Uhr: Ursula Staudinger, Psychologin und Alternsforscherin an der Jacobs University Bremen, meint, dass die Menschen noch lange nicht in der Realität ihres langen Lebens angekommen seien:

Jeder einzelne muss für sich realisieren: Ich werde länger leben als meine Eltern und Großeltern. Und muss sich fragen: Was mache ich mit dieser Zeit? Wir werden nicht nur älter, sondern sind auch länger gesund. Nur die Menschen glauben es noch nicht.

Sie fordert, das gewohnte Bild vom Lebensverlauf aufzubrechen:

Es gibt drei große Bereiche in unseren Leben: Bildung, Arbeit und Privatleben. Wir alle sind groß geworden mit einem Bild, in dem diese drei sequentiell aufeinander folgen. Dieses Sequentielle hat etwas ungeheuer Beruhigendes. Aber in einem länger werdenden Leben müssen wir uns davon verabschieden. Wir müssen unser langes Leben ernst nehmen. Es kann doch nicht sein, dass wir die gewonnene Zeit nur ans Ende des Lebens stecken. Wir müssen sie in die Mitte rücken, wo wir so viel vorhaben. Dazu braucht es neue Lebensmodelle.

Sie führt aus, was das zum Beispiel heißen könnte:

Es sollte normal sein, mit 53 eine neue Stelle anzufangen und dann noch 15 Jahre Karriere zu machen. Heute zucken wir noch alle zusammen, wenn wir sowas hören. Aber das ist die Zukunft und die große Chance des demografischen Wandels.

Mit Bezug auf die niedrigen Geburtenraten weist Staudinger darauf hin, dass es in der Biologie einen Zusammenhang zwischen einer großen Lebenserwartung und der Reproduktion gebe. Natürlich sei der Mensch wesentlich komplexer als die untersuchten Lebewesen. Dennoch:

Wir müssen verstehen, dass dieser Zusammenhang natürlich ist. Die Ökonomen sagen uns immer, dass es ohne Wachstum nicht geht. Wir brauchen einen Pradigmenwechsel. Denn es ist die Qualität die zählt, nicht die Quantität. Das heißt, es zählt jedes einzelne Kind. Da müssen wir als sozialer Wohlfahrtsstaat hinkommen.

Mit Blick auf alternde Arbeitnehmer fordert Staudinger:

Arbeitnehmer haben in jedem Lebensalter Stärken und Schwächen. Wirklich in jedem, das wird Ihnen jeder Personaler bestätigen. Es muss uns gelingen, die Stärken in jedem Alter zu stärken. Einseitige Stereotype, seien sie auf Junge oder Alte gerichtet, werden uns nicht helfen.

Wir müssen es schaffen, eine positive Kultur der Teilzeitbeschäftigung zu schaffen. Teilzeitbeschäftigung darf nicht mehr nur Notlösung sein. Sie ist eine hochproduktive, weil äußerst zielgerichtete Arbeit.

Für sie ist die Frage, die angesichts des demografischen Wandels jetzt zu beantworten sei:

In welcher Gesellschaft wollen wir in Zukunft leben?
 

13:30 Uhr: Das letzte Panel des Forums startet: „Entscheidungspunkte für eine Familie: Arbeit, Zeit, Infrastruktur, Integration“.

Sabine Bätzing-Lichtenthäler, MdB, Sprecherin der Arbeitsgruppe Demografischer Wandel der SPD-Bundestagsfraktion glaubt, dass junge Eltern und Menschen mit Kinderwunsch mehr Zeit neben dem Beruf brauchen:

Wenn wir uns nur fokussieren auf das Thema Karriere und den Menschen nicht etwas mehr Zeit geben, dann kommt das erste Kind, wenn überhaupt, sehr spät. Da müssen wir ran. Stichwort Elternzeit: Ich sage provozierend: Wie wäre es mit verpflichtenden Vätermonaten, um auch den Vätern Zeit zu geben und ein anderes Selbstverständni?
 

12:40 Uhr: Aus dem Publikum kommt die Frage, ob man eine Flexibilisierung des Rentenalters nicht einem festen Rentenalter von 67 vorziehen sollte:

Dazu Bert Rürup:

Ja, natürlich brauchen wir eine Flexibilisierung. Aber das ändert nichts an der Rente mit 67. Denn man braucht einen Vergleichspunkt, um Zu- und Abschläge berechnen zu können.

Außerdem meint er:

Die Rente mit 67 ist ein wachstumspolitisches Instrument.
 

Norbert Schneider vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung sagt zum Rentenalter 67:

Wir müssen wegkommen von einer Diskussion über den richtigen Renteneintritt, der gekoppplet ist an das kalendarische Alter. Das ist sinnlos, da brauchen wir neue Kriterien. Warum nicht zum Beispiel die Länge des Arbeitslebens?

Im Alter von 67 noch zu arbeiten, sei prinzipiell nicht unbedingt problematisch:

Die Menschen von 65 bis 75 Jahre unterscheiden sich heute erheblich von ihren Vorgängerkohorten: Sie sind gesünder, wohlhabender und sie sind aktivitätsbereit. Die Menschen wollen vielleicht im Alter nicht Vollzeit arbeiten. Sie wären aber bereit, zwei oder drei Tage die Woche zu arbeiten. Das wissen wir, dafür gibt es belastbare empirische Befunde.

12:15 Uhr: Bert Rürup spricht. Viel aber erstmal nichts Neues. Rürup zitiert Bernd Raffelhüschen und betont Gemeinsamkeiten mit Michael Diekmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Allianz, die dieses Forum mit trägt.

Im Gegensatz zu Norbert Schneider sagt er zum Thema Migration:

Wir sind eine Zuwanderungsgesellschaft.
 

11:50 Uhr: Panel mit Bert Rürup und Norbert Schneider (Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung): „Herausforderungen für unsere sozialen Sicherungssysteme“.

Bert Rürup (68, ganz rechts), Norbert Schneider (Jahrgang 1955) und Moderator Wolfgang Ischinger (65) auf dem Podium des Berliner Demografie Forums
Bert Rürup (68, ganz rechts), Norbert Schneider (Jahrgang 1955) und Moderator Wolfgang Ischinger (65) beim Gespräch über den demografischen Wandel.

Norbert Schneider präsentiert Daten zur Alterung der Bevölkerung. (Erfreulicherweise mutet er dem Publikum das Median- anstelle des Durchschnittsalters zu, bezieht sich dann aber für das Verhältnis von Rentnern zu Arbeitenden im Jahr 2060 auf die Altersgrenze 65. Das überbewertet den Anteil der künftigen Renter, denn dann ist das Rentenalter sicherlich höher. Den Fehler machen allerdings fast alle in der öffentlichen Debatte…)

Deutschland ist kein Einwanderungsland. Seit 15 Jahren ist der Wanderungssaldo in Deutschland mehr oder weniger Null.

(Das ist erstaunlich. Wie in meinem Post über Wanderungszahlen untersucht, besagen die Daten tatsächlich etwas anderes: Im Durchschnitt von 1997 bis 2011 (=letzte 15 Jahre) liegt der Wanderunssaldo bei einer Nettoeinwanderung von 126.000 (wenn man die beiden Jahre 2008 und 2009 ausnimmt, in denen die amtliche Statistik die Auswanderung wegen Umstellung der Erfassung stark überschätzt).)

Zu Zeit- und Timingproblemen beim Kinderkriegen sagt Schneider:

Die Rushhour des Lebens ist kein guter Begriff. Denn darunter leiden nur die Akademikerinnen.

Dann sagt er:

23 Prozent aller Frauen sind kinderlos.
 

(Auch sehr interessant. Renate Köcher sprach gestern in ihrer Keynote-Rede von 30 Prozent. Wer hat Recht? Anders gefragt: Wer weiß hier eigentlich genau, wovon er redet?)

10:40 Uhr: Renate Schmidt, Familienministerin unter Kanzler Gerhard Schröder:

Die Familienpolitik geht von einer ominösen Wahlfreiheit bei der Erwerbstätigkeit aus, die es längst nicht mehr gibt. Die allergrößte Zahl der jungen Paare, da müssen beide erwerbstätig sein, sonst kommen die gar nicht mehr über die Runden. Die Wahlfreiheit, von der immer geredet wird (meint Job oder Familie), gibt es nur für die Wenigsten.

Familienpolitik scheitert immer noch an einer viel zu zögerlichen Haltung der Unternehmen. Etwa 12 Prozent der Unternehmen haben Vereinbarungen oder Maßnahmen, die zur Familienfreundlichkeit beitragen. Das heißt: 88 Prozent haben nichts. Davon leistet die Hälfte sogar mehr oder weniger Widerstand: Da wird im Regelfall einer zurückkehrenden Mutter ein Aufhebungsvertrag hingelegt, und ihr werden nicht etwa ihre Rechte auf Teilzeitarbeit erklärt. Was wird denn getan, um das zu ändern?

10:40 Uhr: Eine junge Dame aus dem Publikum steht auf uns stellt fest, dass alle Redner, die hier diskutieren, wesentlich älter sind als die jungen Leute, über die geredet werde.

Wie kann es sein, meine Altersgruppe bei einer solchen Diskussion über unsere Zukunft in der extremen Unterzahl zu sehen?

An das Podium gerichtet fragt sie:

Sie sagen, wir scheinen nicht mehr zu funktionieren, wir bringen keine Kinder mehr zur Welt. Was haben Sie uns anzubieten? Sie sind rüstig. Schlagen Sie vielleicht so etwas wie ein soziales Jahr für Ihr Alter vor? Warum spricht man nicht darüber, wie die Personen über 67 uns noch dienen können?

Applaus im Publikum. Müntefering antwortet:

Ja, die Älteren sind hier in der Mehrheit. Das liegt aber auch an denen, die nicht gekommen sind. Es waren viele Jüngere eingeladen, die nicht gekommen sind. In dieser Debatte gibt es auch eine Bringschuld Ihrer Generation, sich einzumischen. Wir machen hier nicht Generation gegen Generation. Sorgen Sie in Ihrer eigenen Generation dafür, dass die das auch schnallen, dass die wissen, was hier los ist. Ich weiß, dass Sie alle voll im Beruf sind. Aber es gibt in einer Demokratie keinen Schaukelstuhl. Bitte keine Konsumhaltung. Bitte nicht: „Was bietet Ihr uns?“ Sie müssen sich selbst anstrengen. Sie dürfen gerne unbequem sein, aber Ihre Generation muss selbst ihre Forderungen stellen.

Um 11:30 Uhr, nach dem Panel, fragte ich Franz Müntefering persönlich, welche „vielen Jüngeren“ denn zum Forum eingeladen worden seien, die dann nicht gekommen seien. Antwort: Das wisse er nicht. An der Organisation der Veranstaltung sei er nicht beteiligt gewesen. Generell wisse er nichts darüber, wer eingeladen worden sei. Es sei „mehr so eine allgemeine Beobachtung“, dass die Demografie-Debatte eher von den Älteren geführt werde, gerade auf Podien wie diesem. Daraus schließt er, dass die Jüngeren sich offenbar wohl entzögen.

10:10 Uhr: Tilman Mayer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demographie:

Es gibt einen Konflikt zwischen Produktion und Reproduktion. Beide sind gleich wichtig für unsere Gesellschaft. Aber die Ökonomie dominiert in unserer Zeit alles.

Die Familie liefert, aber sie liefert leider Gottes zu wenig, was die Kinderanzahl angeht.

Ursula Lehr fragt nach, in wie weit „Familie liefert“? Mayer:

Funktionierende Familien liefern einen enormen Input für die Gesellschaft. Die Frage ist, ob sie dafür ausreichend honoriert werden. Herr Müntefering, da widerspreche ich Ihren Ansichten: Ich bin der Meinung, dass ein Familiensplitting – etwa nach französischem Beispiel – durchaus eine konstruktive Rolle in der Gesellschaft spielen kann. In einer künftigen rot-schwarzen Koalition kann man einmal darüber nachdenken, hier einen Deal zu machen, der vielleicht beiden Seiten Zugeständnisse abverlangt, der aber etwas nutzt.

(Mayer konkretisiert seine Vorstellung vom Familiensplitting in einem Artikel für die Bundeszentrale für politische Bildung und führt dort auf: „In Deutschland wird das Steueraufkommen der Eheleute beachtet; in Frankreich werden die Einkünfte der Familie zusammengezählt und je nach Kinderzahl durch einen höheren Divisor geteilt.“)

9:50 Uhr: Experten-Panel „Wirtschaft, Arbeit, Familie“

Auf dem Podium v.r.n.l: Jörg Rocholl (Alter unbekannt), European School for Management and Technology, Franz Müntefering (71), SPD-MdB und Bundesminister a.D., Tilman Mayer (58), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demographie, Annegret Kramp-Karrenbauer (49), Ministerpräsidentin des Saarlandes, CDU, Moderation: Ursula Lehr (81), Familienministerin unter Helmut Kohl und Altersforscherin.

Franz Müntefering spricht:

Manche führen im Rahmen der Demografie-Debatte eine Diskussion über den Kampf zwischen den Generationen. Ich weise darauf hin: Auch in Zukunft wird die Trennlinie laufen zwischen denen, die reich sind, und denen die arm sind, zwischen denen, die Bildungschancen haben oder nicht, und denen, die besser integriert sind oder schlechter. Darum dürfen wir nicht allzu sehr abheben auf die Alterskohorten, sondern wir müssen die gesamtgesellschaftliche Situation im Blick behalten.

Es muss eine Antwort gegeben werden auf die Frage des Ehegattensplittings.

Wir dürfen bei alldem nicht vergessen, dass unsere Demokratie und Verfassung das Individuum im Mittelpunkt sieht. Die demografisch notwendigen Maßnahmen dürfen nicht von ökonomischen Gesichtspunkten abgeleitet werden. Die Frage ist nicht: „Wie viele Kinder brauchen wir, damit wir reich bleiben können?“ Sondern: „Wie gehen wir mit dem Einzelnen um?“

Wenn wir die ganzen Statistiken sehen, dann fragen wir uns manchmal: Au weia, kann das überhaupt gut gehen? Aber: Wenn wir so viel Kinder hätten wie 1900, könnten wir in Deutschland überhaupt nicht mehr stehen. Es geht nicht darum, so viele Kinder zu haben wie damals. Sondern darum, ob wir auf von jetzt 1,4 Kindern pro Frau auf vielleicht wieder zwei Kinder pro Frau kommen.

9:10 Uhr: Ursula Lehr, Familienministerin unter Helmut Kohl und Altersforscherin, am Rednerpult.

Ursula Lehr auf dem Berliner Demografie Forum am Rednerpult
Ursula Lehr (81), Familienministerin unter Helmut Kohl und Altersforscherin betitelte ihre Rede „Der demografische Wandel: Folge und Ursache veränderter Familienstrukturen“.

Lehr führt auf, um wie viel der Anteil der Alten gestiegen ist: Der über 80-Jährigen, der 100-Jährigen und der 105-Jährigen. Sie spricht von Problemen, diese Zahlen bekommen zu haben, und hat sie schließlich beim Präsidialamt angefragt (Ein interessantes (und tatsächlich mögliches) Vorgehen. In der Tat arbeitet das Statistische Bundesamt keine Daten für Alter jenseits Hundert Jahren auf. Aber die Forschung hat sie. Siehe Human Mortality Database.)

Zum Geburtenrückgang zitiert Lehr Daten die Bertelsmannstiftung und sagt:

Es gibt sehr viele Gründe, warum die Geburtenraten zurückgegangen sind. Wir werden uns bei jedem fragen müssen: Sind das Stellschrauben? Kann man hier etwas verändern, oder muss man das hinnehmen?

Weiterhin zitiert sie Rainer Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung als Quelle für den Zusammenhang zwischen Bildung und Familiengründung. (Ich gehe hier auf ihre Quellen ein, weil es interessant ist, dass eine Forscherin, die eine wichtige Playerin in der Demografie-Debatte ist, sich nicht auf Original-Datenquellen aus der Forschung oder der amtlichen Statistik beruft, sondern auf sekundäre, bereits aufbearbeitete, selektierte und bewertete Daten von Thinktanks wie der Bertelsmannstiftung oder dem Berlin-Institut.)

Zum Rentenalter fordert Lehr:

Wir brauchen eine Flexibilisierung der Altersgrenze. Der Dachdecker, der mit 20 Anfängt, der soll mit 63 Jahren aufhören können. Aber es gibt so viele Psychologen, Forscher, und so weiter, die viel länger arbeiten können.

… und zitiert Ursula von der Leyen:

Die Jüngeren, die rennen zwar schneller, aber die Alten, die kennen die Abkürzungen, und sind darum schneller am Ziel.

Ihr Fazit:

Wenn wir in die Zukunft schauen, sind wir Optimisten. Der Optimist macht aus jedem Problem eine Aufgabe, die es zu lösen gilt. Der Pessimist sieht in jedem Problem eine Situation, der er hilflos ausgeliefert ist.

Donnerstag, 12.01.2012, 19:45 Uhr: Der erste Konferenztag ist zu Ende. Die Familienministerin und der Innenminister haben ihre Statements zu Demografie- und Bevölkerungspolitikk gemacht. Schröder steht „felsenfest“ zu ihren finanziellen Zusagen in der Kinderbetreuung und Friedrich glaubt, dass die Chance angesichts des demografischen Wandels selbst bei schrumpfender Bevölkerung in der Veränderung liegt: „Es geht nicht in erster Linie darum, Systeme zu erhalten.“ Demograf Joshua Goldstein glaubt an steigende Geburtenraten bis zu 1,8 Kinder pro Frau. Alle Zitate im detaillierten Zeitablauf:

19:30Uhr: Abendveranstaltung. Musik und dezenter Hinweis auf den (Mit-)Initiator

19:20Uhr: Alt-Demograf Herwig Birg steht auf und fordert eine „Stabilitätsstrategie“, die den demografischen Wandel auf Dauer beendet, anstatt immer nur über Anpassungen zu sprechen.

Dazu sagt Innenminister Friedrich:

Die Frage, ob man aktive Bevölkerungspolitik betreiben soll, oder die Schrumpfung der Bevölkerung beispielsweise durch Zuwanderung aufhält, das muss man unterscheiden von dem, was jetzt kommt und bereits unabänderlich ist. Die Situation ist, wie sie ist. Wir gehen davon aus, dass wir bis 2060 in Deutschland eine Schrumpfung auf 65 bis 70 Millionen Einwohner haben werden. Damit müssen wir fertig werden. Wir haben inzwischen wieder eine leicht steigende Geburtenrate. Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann mal, sie wieder auf 2,1 zu bringen, das wäre ja schön. Aber selbst wenn es uns gelingen würde, durch einen gigantischen bevölkerungspolitischen Befreiungsschlag die Geburtenrate auf 2,1 zu heben, dann wäre das keine Lösung des demografischen Wandels.

Auch Demoskopin Renate Köcher antwortet auf Birg:

Wenn wir den demografischen Wandel wirklich stoppen wollten, dann müssten wir Alter ab 70 verbieten und höhere Geburtenraten erzwingen. Das kann doch keiner wollen.

18:50Uhr: Renate Köcher, Geschäftsführerin Institut für Demoskopie Allensbach, am Rednerpult. Sie spricht darüber, wie die Bürger den demografischen Wandel wahrnehmen:

Die Menschen in Deutschland rechnen damit, dass das Rentenalter noch weiter steigen wird als bis 67. Die Bürger sehen mit großer Mehrheit die Verlängerung der Lebensarbeitszeit als logische Folge des demografischen Wandels. Sie ist für die Menschen aber keine Idealvorstellung. Wenn Sie den Bürgern die Wahl ließen, würde die Mehrheit für eine Rückkehr zur Rente mit 65 votieren.

Zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sagt die Demoskopin:

Die Mehrheit der Deutschen stimmt der Aussage zu, dass eine Vollzeit berufstätige Mutter ihrem Kind schadet. Bei einer Teilzeitstelle sieht das immer noch ein Drittel so.

18:40 Uhr: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zu den sich zum Teil leerenden ländlichen Räumen:

Ich halte die Anbindung aller ländlichen Räume ans Breitbandinternet für die Daseinsvorsorge des 21. Jahrhunderts. Und zwar bei mehr als einem Megabit pro Sekunde. Wir müssen alle anbinden.

18:15Uhr: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am Rednerpult

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf dem Berliner Demografie Forum am Rednerpult
Hans-Peter Friedrich (54), Bundesinnenminister, hält seine Keynote-Rede zu „Demografiepolitik in Deutschland“.

Friedrich weigert sich, die Zukunft zu pessimistisch zu sehen:

Der demografische Wandel ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. In vielfältiger Weise gibt er auch Möglichkeiten, mit einer schrumpfenden Bevölkerung einiges in eine positive Richtung zu verändern. Es ist keine „demografische Katastrophe“, wie oft gesagt wird.

Die demografische Katastrophe kriegen wir nur, wenn wir nichts verändern. Wir müssen uns verändern, und uns nicht starr wie die Kaninchen wegducken. Es geht nicht in erster Linie darum, Systeme zu erhalten. Wir sind in der Politik ja geneigt, Systeme zu verteidigen, auch wenn die Menschen, die in diesen Systemen leben sollen, schon ganz woanders sind.

Zum Beispiel müsse eine echte Altersteilzeit eingeführt werden. Entscheidend sei nicht, dass die Gesellschaft von den Zahlen her jung bleibe, sondern dass sie geistig jung bleibe. Auch in der Migration seien Änderungen möglich:

In Fragen der Integration haben wir noch ein hohes Potential.
 

Er fragt allerdings: Können wir mit Zuwanderung das demografische „Problem“ lösen?

Natürlich wird die Zuwanderung einen Beitrag leisten. Aber das Entscheidende beim demografischen Wandel ist: Man muss seine eigenen Potenziale nutzen. Die Vorstellung, dass man die Leute hier in die sozialen Sicherungssysteme drängt, und dann von außen junge, gut ausgebildete Leute holen will, um diese Sozialsysteme zu finanzieren, diese Vorstellung ist abwegig.

17:45Uhr: Demograf Joshua Goldstein, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung:

Wissenschaftlich lässt sich der Einfluss von Politik auf eine Steigerung der Geburtenrate kaum nachweisen.

Jutta Allmendinger, Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, erzählt auf die Frage, wie sich die Geburtenrate steigern lässt, von Erfahrungen an ihrem eigenen Forschungsinstitut:

Sie müssen einfach nur eine Frau mit kleinen Kindern in eine Chefposition holen, und schon setzen sich allerlei Maßnahmen in der täglichen Arbeit durch, die auch viele Kolleginnen dazu bewegen, Kinder zu kriegen.

16:50 Uhr: Experten-Panel „International Demographic Policies“

Auf dem Podium v.r.n.l.: Jutta Allmendinger (55), Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jean-Marie Robine (Jahrgang ca. 1960), Institut national de la santé et de la recherche médicale in Paris, Timothy Ma Kam Wah (Alter unbekannt), Senior Citizen Home Safety Association in Hong Kong, Monika Queisser (Alter unbekannt), OECD in Paris, Joshua Goldstein (46), Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, Moderation: Judy Dempsey (Jahrgang 1956), Senior International Correspondent, u.a. New York Times.

Fünf Experten sitzen auf den Panel und sollen mit dem Publikum diskutieren. Aber erst darf jeder sieben Minuten einen Vortrag halten. Viel davon ist schwer nachvollziehbares Zahlenmaterial, auch komplexe Powerpoint-Folien (Wer hier im Publikum kann die auf Anhieb verstehen?). Hier nur die (wenigen) klaren Botschaften:

Monika Queisser von der OECD:

Geburtenraten sind dort höher, wo die Quote der Frauenbeschäftigung höher ist.

Demograf Joshua Goldstein, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung:

Das Ziel der Politik sollte nicht sein, die Geburtenrate zu steigern. Das ist sehr wichtig. Die Menschen müssen selbst entscheiden. Das heißt natürlich nicht, dass die Politik ihnen die Entscheidung für Kinder nicht leichter machen kann.

Die Geburtenraten seien in vielen Ländern, auch Deutschland, auch deswegen niedrig, weil die Geburten auf ein immer späteres Alter aufgeschoben würden.

Wir erwarten, dass die Geburtenrate um 0,1 bis 0,2 (Kinder pro Frau) steigt, allein, weil das Aufschieben der Geburten endet.

Insgesamt hält Goldstein einen Anstieg der deutschen Geburtenrate auf bis zu 1,8 Kinder pro Frau für möglich, wenn die Politik die Entscheidung für Kinder leichter macht. Er schlüsselt auf: Anstieg auf ca. 1,6 durch „Tempo-Effekte“ (also dadurch, dass die Aufschiebung der Geburten sich verlangsamt oder endet) und auf 1,7 bis 1,8, wenn die Politik den jungen Menschen hilft, ihre Kinderwünsche umzusetzen.

15:50 Uhr: Kristina Schröder, Bundesfamilienministerin, verteidigt ihre
„Flexiquote“ (Unternehmen können die Höhe der Frauenquote selbst festlegen) zur Förderung von Frauen in Führungspositionen (als Gegenentwurf zu eine vorgegebenen festen Quote):

Wir reden hier nicht über Freiwilligkeit. Wir reden über klare gesetzliche Pflichten für börsennotierte Unternehmen. Wer die Selbsregulierung durch die Wirtschaft kritisiert, unterschätzt die Transparenz des Wettbewerbs.

Kein Wort zum Betreuungsgeld (oder ich habe es verpasst).

15:50 Uhr: Kristina Schröder, Bundesfamilienministerin, am Rednerpult.

Familienministerin Kristina Schröder auf dem 1. Berliner Demografie Forum 2012
Kristina Schröder (34), Bundesfamilienministerin, spricht über „Zukunft Familie – eine demografieorientierte Gesellschaftspolitik der fairen Chancen“.

Politik kann Geburtenraten beeinflussen.

Entscheidend dafür sei: Arbeit muss weiblicher werden und Familie männlicher. Mit Blick auf die Rahmenbedingung für Familiengründung sagt Schröder:

Wir dürfen den Menschen nicht erklären, wie sie leben sollen. Wir müssen ihnen ermöglichen, so zu leben, wie sie leben wollen.

(Man sollte die Ministerin bei Gegelegenheit beim Wort nehmen.) Aufgabe der Politik sei es, „faire Verwirklichungschancen“ zu schaffen.

Der Ausbau des Betreuungsangebots (meint Kinderbetreuung) ist eine der wichtigsten Aufgaben der staatlichen Familienförderung. Die Bundesregierung steht felsenfest zu ihren finanziellen Zusagen. Wir setzen auf den letzten Metern auf das Zusammenarbeiten von Kommunen, Ländern und Bund.

15:44 Uhr: Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE:

Wenn die nachkommende Generation sich verweigert, dann kann Deutschland die demografische Herausforderung nicht bestehen.

15:22 Uhr: Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE hält die erste Keynote-Rede.

Das Thema Demografie liege ihm „sehr am Herzen“. Demografischer Wandel sei im Vergleich zur jetzigen Finanzkrise eine Krise „ganz anderen Ausmaßes“. Er warnt davor, sich „falsche Hoffnungen“ zu machen, was die Bekämpfung der „Vergreisung der Gesellschaft“ angeht. Er nennt als solche falschen Hoffnungen konkret: „Kinderkrippen, Migration und Produktivitätszuwächse“.

Seine Vorschläge, um die „Vergreisung“ zumindest ökonomisch abzufangen: Ein höheres Rentenalter und mehr private Altersvorsorge.

Diekmann sieht den demografischen Wandel vor allem als kaum zu bewältigendes Problem und zählt als problematisch auf: Schrumpfende Bevölkerung, ökonomische Probleme, kaum handhabbare Massen Demenzkranker und die Übelastung der staatlichen Rentenkassen – er spricht vom „hoffnungslos unterfinanziertes Sozialsystem“.

15:22 Uhr:

Los geht’s mit einem menschelnden Video mit klarer Botschaft: Familien haben es schwer, wir müssen ihnen helfen. Das Ziel wird klar genannt: Mehr Kinder. Der Sprecher sagt: „Wenn wir so weiter machen wie bisher in Europa, dann werden wir uns selbst zur Bedrohung.“

Vorbericht

Ab ca. 15 Uhr werde ich in diesem Post live vom Berliner Demografie Forum (BDF) 2012 bloggen, das heute und morgen stattfindet. Gleichzeitig werde ich unter dem Hashtag #BDF2012 twittern. (Sollte es nicht möglich sein, von der Veranstaltung aus zu berichten, poste ich heute Abend eine Zusammenfassung und beschreibe, was den Live-Bericht verhindert hat.)

Es verspricht ein interessanter Einblick in die deutsche Demografie-Debatte zu werden, denn das Forum ist hochkarätig besetzt: Bundesfamilienminister Kristina Schröder und Innenminister Hans-Peter Friedrich geben Keynotes zu Demografie-Politik in Deutschland, und auch das Who-is-Who der demografischen Forschung ist da, zum Beispiel: Joshua Goldstein, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, Jutta Allmendinger, Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung oder Ursula Staudinger, Psychologin und Alternsforscherin an der Jacobs University Bremen. Viele weitere Player der deutschen Demografie-Debatte sind da, so sitzen etwa Frank Schirrmacher, Franz Münteferring oder Norbert Schneider, seit 2009 der neue Leiter des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, auf den Podien (Mehr Details siehe Programm).

Spannend wird die Frage, was die Veranstaltung bringen wird? Denn Demografie-Foren gab es in Deutschland in den letzten Jahren einige. Wird diese neue Impulse bringen? Wird man den typischen pessimistischen Tonfall der deutschen Demografie-Diskussion hinter sich lassen können? Und vor allem: Was ist die Rolle des Initiators des Ganzen, der Allianz SE?

Es ist schon erstaunlich, dass die Bundesregierung sich ausgerechnet mit dem weltgrößten Versicherungskonzern zusammengetan hat, und ihm mit diesem Forum eine exzellente Bühne gibt, um sich im Thema Demografie zu positionieren. Ist das Engagement das Unternehmens uneigennützig? Sein ureigenstes Interesse ist es ja, seine Lebensversicherungen zu verkaufen. Und dafür könnten bestimmte (renten-) politische Reaktionen auf den demografischen Wandel sehr nützlich sein. Aber ich will nicht vorgreifen, vielleicht tue ich dem Konzern ja unrecht und er ist reinen Herzens.

Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE, wird heute gleich das zweite Eröffnungsstatement halten. Im Vorfeld hatte er am 28.12.2011 einen Gastbeitrag im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung 1 geschrieben, in dem er schonmal vorsorglich davor warnt, man dürfe nicht „Schönreden (und) die Gegenwart genießen“ und müsse, um das Sozialsystem zu sichern, die Geburtenraten erhöhen. Gegen Ende des Beitrags schreibt er dann über die Kernkompetenz seines Unternehmens, wenngleich aus (vermeintlich?) gesellschaftlichem Blickwinkel:

Sodann müssen die Sozialsysteme selbst demografiefest gestaltet werden. Anstelle der Umlagefinanzierung muss verstärkt die Kapitaldeckung treten. Eigenverantwortliche, private Vorsorge wird daher immer wichtiger; auch und gerade für die Bezieher niedriger Einkommen. Häufig sehen sich diese jedoch kaum in der Lage, für ihr Alter zusätzliche Mittel zurückzulegen. Bislang ist Altersarmut noch kein gravierendes Problem. Es könnte in Zukunft aber eines werden mit enormer sozialer Sprengkraft, wenn dieser Personenkreis ins Rentenalter kommt.

Mal sehen, was heute und morgen auf dem Forum diskutiert wird. Ich hoffe, es kommt mehr dabei heraus als „Allianz-Versicherungen für alle!“.

Fußnoten:
  1. Originaldatei als Download von der Allianz-Seite []

3 comments… read them below or add one(Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln zu Kommentaren.)

Klaus Bremen Januar 13, 2012 um 18:48

Ich habe zwei Tage Demografie-Forum hinter mir und bin jetzt einigermassen erschöpft auf der Heimreise ins Ruhrgebiet. Als gerade einmal 13 Tage selbstständiger Personal- und Organisationsberater, Jg. 1951, hat mich vor allem betrübt, dass viele ältere Fachmenschen einen riesigen Daten- und Wissensbestand auf dem Forum zusammengetragen und meist dann frontal vorgetragen haben – ein GESPRÄCH oder gar ein DIALOG über HANDELN in einer demografisch veränderten Gesellschaft ist nicht zustandegekommen. Ich frage mich, ob die traditionelle „hochrangige“ Tagung noch das angemessene Format ist, um sich über UNS im demografischen Wandel zu verständigen. Ich glaube, der Vergleich mit der sicherheitspolitischen Tagung in München tut dem Demografie-Forum nicht gut: Dort geht es um ein Feld, das Politik qua Aussenpolitik und Militärausgaben anders steuern kann als einen Wandel, der alle Felder der Gesellschaft durchzieht und betrifft.

In das Gespräch, sicher: in den Dialog, gehören mehr junge Menschen – und zwar nicht aus Jugendwahn oder politischer Korrektheit, sondern weil unser Dialog miteinander, die Art, wie wir miteinander sprechen, arbeiten und leben der Schlüssel unseres gemeinsamen Wohlstands sein wird. Warum? Wir brauchen in einem globalen Wettbewerb neue Ideen und Innovation und dafür brauchen wir aktive Ältere, die Lust auf Innovation mitbringen und nicht die Zeit mit Warten auf den Ruhestand verbringen und wir brauchen aktive Junge, die z.B. Gespür für den Wert von Erfahrung haben und Lust, diese Erfahrungen zu nutzen.

Das 2. Forum braucht ein anderes und innovatives Format – ich hoffe sehr, dass die der überwiegend wohl älteren Generation angehörenden Organisatoren des Forums diese Innovationsenergie aufbringen.

Antworten

Björn Schwentker Januar 13, 2012 um 20:08

Lieber Klaus Bremen,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, dass sich hier jemand zu Wort meldet, der auch auf dem Forum war.

Ich teile Ihre Bedenken, dass solch ein Forum die richtige Form ist, in einen echten Dialog zu treten. Ich vermute: eher nicht. Mir schien es doch recht viel um Selbstdarstellung zu gehen, und darum, die eigenen (alten) Thesen einmal mehr öffentlich zu machen. Für eine echte Diskussion, auch da stimme ich Ihnen zu, müssen unbedingt die Jüngeren, also meine Generation (Jg. 1973) und noch jünger, mit an den Tisch und auf die Podien.

Viele Grüße
Björn Schwentker

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Michael Grimm Januar 17, 2012 um 18:22

Dem kann ich nur zustimmen. Auch ich habe die Veranstaltung in Berlin live miterlebt als Journalist für die allianz knowlegde site. Welches Potential ein solches Forum im Sinne eines noch stärkeren Dialogs zwischen Publikum und Experten haben kann, habe ich erst erfahren, als ich in meinem Freundes- und Kollegenkreis von dem Forum berichtet habe. Stundenlange Diskussionen um Ausbildung, Job, Familie, Chancen und Ängste haben meine Abende seither bereichert.
In diesem Zusammenhang kann ich übrigens einen Artikel von SZ-Autor Axel Rühle in der Wochenend-Ausgabe der SZ 14/15 Januar empfehlen, Titel „Ach, du gehst schon?“/Die große Teilzeit-Lüge. Wie Eltern Job und Familie versuchen, unter einen Hut zu bringen.

Fazit: Das Berliner Demografie Forum ist eine großartige Initiative – im zweiten Schritt muss es sich der Öffentlichkeit noch besser zugänglich machen.

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